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Das Projekt

 

 

 

 

 

Die besonders schwierige soziale Lage nach dem Zusammenbruch des wichtigsten Wirtschaftszweiges – die Stadt war vor der Wende eine der wichtigsten Textilstädte Rumäniens – hat sich vor allem auf die jungen Familien negativ ausgewirkt. Während Männer in der Regel auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen hatten, war es für die Frauen – die vorher fast alle in der Textilindustrie beschäftigt waren – vergleichsweise schwerer  Anschluss an die Arbeitswelt zu finden, besonders dort, wo auch Kinder im Spiel waren. Selbst heute noch – wo sich die wirtschaftliche Lage deutlich gebessert hat – ist für die Mütter keine wesentliche Entlastung eingetreten.

 

Mütter gehören in Rumänien noch immer zu den am meisten im Alltag belasteten gesellschaftlichen Kategorien, zunächst durch die – gesellschaftlich an sie herangetragene – doppelte,  berufliche und familiäre  Belastung, dann aber besonders als Folge der Benachteiligung am Arbeitsmarkt und in der archaisch – patriarchalischen Gesellschaft.

Nicht nur, dass viele Mütter genötigt sind nach Abschluss des Mutterschaftsurlaubs voll ins Berufsleben einzusteigen; die geringen Aufstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt und der prekäre soziale Schutz bewegen gerade junge Mütter, finanziell attraktivere Jobs im Ausland (Spanien, Italien) wahrzunehmen, wobei die Kinder oft in Obhut der  Großeltern verbleiben - mit verheerenden Folgen für das Familienleben. Dieser Einschnitt an Lebensraum bewirkt, dass viele junge Familien zerbrechen, was die Mütter meistens vor das Nichts stellt.

Deswegen genießen Mütter in der sozial-diakonischen Arbeit der Heltauer Gemeinde eine besondere Priorität. Angefangen mit dem Jahr 2004 organisiert sie – dank  einer Spende von der Kirchengemeinde Rheinbach und der tatkräftigen Unterstützung des in Siebenbürgen tätigen Ehepaars Deuwel – im malerischen Nachbardorf Michelsberg, im eigenen Gästehaus Nr. 10 mehrere  Serien Müttererholungen.

Hauptziel ist es, Mütter in ihrer spezifischen Situation zu begegnen und ihnen ansatzweise zu zeigen, dass eine andere Art Leben möglich ist. Durch Vermittlung von Informationen und Fertigkeiten wird den Frauen geholfen, nachher fester im Alltag  zu stehen. Zusammen mit anderen Müttern und ihren Kindern soll Frauen eine Atempause gewährt und - durch angemessene Beratung - Stärkung und Rüstzeug zur besseren Alltagsbewältigung  geboten werden. Und das alles in einem gut und kindgerecht ausgestatteten Haus. Ein Spielplatz im Innenhof gehört zur Ausstattung dazu.

Jeweils Serien von 14 Müttern und Kinder  bis zum Einschulungsalter nahmen daran Teil. Der Kreis der Eingeladenen ist offen, das heißt, nicht ethnisch, sozial oder konfessionell oder regional eingegrenzt, wobei aber Sorge getragen wird, dass immer auch evangelische Mütter teilnehmen. Die Aktion ist von Anfang an zweisprachig geplant worden um jede Diskriminierung auf Sprachbasis zu vermeiden.

Während der Müttererholung werden Mutter und Kind von einem gut aufeinander eingespielten Team von MitarbeiterInnen und BegleiterInnen betreut, was deren Qualität deutlich steigert. Die Kinder werden die ganze Zeit über auch von einer Pädagogin begleitet, so dass die Mütter Zeit für sich selber haben. Für die Mütter wurden (wahlweise) angeboten: Beratung durch Juristin, Kinderärztin, Sozialpädagogin und Friseuse. Es wurden organisiert: Gesprächsrunden, Segnungsgottesdienste, handwerkliche Einführung, gemeinsames Backen, Zoobesuch, Spaziergänge, geistliche Besinnung. Frauen aus ganz unterschiedlichen Milieus nahmen bisher an den Müttererholungen teil. Es kamen deutsche (auch bundesdeutsche), ungarische und rumänische Frauen aller Konfessionen. Es gab Mütter mit einem Kind aber auch welche mit vier Kindern. In einer Serie waren Landfrauen vorherrschend, in einer, arbeitslose Frauen, in einer anderen, Akademikerinnen.

Diese Arbeit soll weitergeführt werden, soweit die Resoursen reichen.


 Mutter-Kind-Freizeit in Michelsberg, 6.-9. September 2006

Eine Teilnehmerin erzählt

Es war beim Schmökern im "Frauenrundbrief", dass ch auf den Artikel über die vergangene Mutter-Kind-Freizeit in Michelsberg gestoßen bin. Erholung für junge Frauen und ihre Kinder, das klang gut! Und je weiter ich las, desto neugieriger wurde ich und bekam Lust, selbst einmal mitzumachen.

Ich könnte mir Zeit nehmen für meine vierjährige Tochter Marianna, ohne Ablenkung durch Haushalt, Garten oder die Arbeit am Computer. Und da wir erst vor drei Monaten aus Deutschland nach Rumänien gekommen waren, erschien der Urlaub auch eine gute Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. - Meine Erwartungen an die drei Tage in Michelsberg waren hoch und wurden erfüllt, ja über-erfüllt.

Wir, sechs Mütter und acht Kinder aus ganz Siebenbürgen, wurden nämlich im wahrsten Sinne des Wortes verwöhnt. Dafür sorgten nicht zuletzt der Heltauer Kantor Herr Henning und seine Mutter, Frau Vestemean, die am Mittag für uns kochten und Frau Annemarie Lutsch, die sich um Frühstück, Vesper und Abendbrot kümmerten. (Es ist etwas Wunderbares, am Gartentisch zu plaudern und dabei frischen Kaffee zu trinken!)

Für regen geistigen Austausch sorgten eine Juristin und eine Kinderpsychologin, die eingeladen waren, sich unserer Probleme anzunehmen. "Wieviel Fernsehen verträgt ein Kind?", "Was ist eine angemessene Strafe für einen Dreijährigen?" oder "Wann ist mein Kind reif für die Schule?" Das sind Fragen, an denen sich die Gemüter von Müttern erhitzen können. Hier wurden für mich auch kulturelle Unterschiede zwischen Rumänien und Deutschland sichtbar.

Eine reizende Idee war es auch, an einem Nachmittag eine Stylistin aus Heltau einzuladen. Sie gab uns Frauen Tipps für Haarkuren und -schnitte. Und anschließend wurden Kinder und Mütter, die es wollten, sogar frisiert. Das war ein Spaß!

Vieles wird mir in guter Erinnerung bleiben, darunter der Bastelnachmittag mit Wanda Piescu, der gemeinsame Ausflug in den Jungen Wald, das morgendliche Singen mit Frau Gerhild Cosoroaba oder der Abschlussgottesdienst mit Vikar Uwe Seidner.

Vor allen Dingen aber bin ich baff, dass die gesamte Freizeit für alle Teilnehmerinnen kostenlos war. Meine Freundinnen in Deutschland werden mir das nicht glauben wollen. Sie müssen für solche Freizeiten tief in die Tasche greifen. Dabei ist es so wichtig, dass solche Angebote auch Frauen erreichen, die sich eigentlich keinen Urlaub leisten können. Die evangelische Kirche in Rumänien hat hier wirklich etwas Beispielhaftes auf die Beine gestellt!

Ich möchte mich noch einmal herzlich für die schönen Tage bedanken und wünsche allen Helferinnen und Helfern weiterhin viel Kraft für kommende Freizeiten.

Jacqueline Hene, Eibesdorf