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Die Basilika von Cisnádie / Heltau mag auf den Besucher, der ihren im 15. Jh. angelegten dreifachen Wehrmauergürtel durchdringt, um hier romanische Formen zu suchen, im ersten Augenblick verwirrend wirken: Nach dem verheerenden Türkeneinfall von 1493 wurde nicht nur die Kirchenburg errichtet, sondern auch die Basilika zur Wehrkirche ausgebaut, nebst dem alten Westturm mit einem Wehrturm über dem Chor und zwei Flankentürmen über den Seitenportalen versehen, die ihr das Aussehen einer Basilika mit Querschiff verleihen. Entkleiden wir aber in Gedanken den mächtigen Wehrbau seiner erst später - durchwegs in Ziegelkonstruktion - angefügten Wehranlagen, so erkennen wir, dass die Osthälfte der Basilika mit der Michaelskirche identisch ist. An der Südseite finden wir noch die gleiche Apsidiole wie im Nachbarort, breit dem Ostende des Seitenschiffs vorgelagert - im Norden wurde sie halb durch die angebaute Sakristei verdeckt. Die inmitten der Ortschaft stehende Basilika konnte sich, durch keine Geländeeinschränkung behindert, frei nach Westen hin ausdehnen und besitzt ein längeres Langhaus als die von Michelsberg - in die Seitenschiffe öffnen sich hier fünf Rundbogenarkaden. Am Westende des Mittelschiffs erhebt sich der mächtige, siebengeschossige Glockenturm, 32,50 m hoch bis zum Hauptgesimse; an seinen Flanken sind die hier mit Tonnengewölben gedeckten Seitenschiffe entlanggeführt. Im Bereich der Mittelschiffzone sind ihre Tonnengewölbe mit Stichkappen versehen, wodurch sie des Aussehen von Kreuzgratgewölben erhalten.

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Südfassade

der Basilika in

Cisnádie / Heltau

Nach Errichtung der drei Wehrtürme, die die Kirche nach allen Himmelsrichtungen verteidigen, wurde auch die alte hölzerne Flachdecke der Basilika durch ein gotisches Kreuzgewölbe ersetzt - trotzdem behielt der Innenraum das Gedrungene und Schwere romanischer Maßverhältnisse. Der Anlageplan ist mit Ausnahme der angebauten Sakristei ebenfalls der ursprüngliche geblieben. Als Einziges bewahrt des Hauptportal in der Westfront des Glockenturmes seine ursprüngliche Form, in einer einzigen Abtreppung eingezogen, ist es weit bescheidener gestaltet als das Michelsberger Westportal, mit einem einzigen Säulenpaar auf attischen Basen ausgestattet, dessen Kapitelle aber jenen von Michelsberg sehr ähnlich sind, was wiederum den gleichen Meister vermuten lässt. Die gleichen gekreuzten Binder mit Spiralenendung, des gleiche gefiederte Eckblatt im hohlkehlartigen Ausschnitt des Würfelkapitells, doch tritt hier noch die Perlschnurrispe als Mittelteil der Bänder auf - ein interessantes Detail, das wir ebenfalls an den Kapitellen der Bogenarkaden im Innern der Severuskirche in Boppart wiederfinden, wo nicht nur die Bogenarkaden mit ihren Archivolten, sondern die Kapitelle selbst bemalt sind. Am Heltauer Portal selbst sind keine Spuren einstiger Malerei feststellbar, dafür haben sich an der Steineinfassung des heute vermauerten Priestereingangs an der Südchorwand noch rote Farbspuren erhalten. An der Nordchorwand treten ganz blass noch zwei große Fresken zutage, die Anbetung der Magier und - vermutlich - eine Darstellung im Tempel. Auf der weissen Kalktünche treten Gewänder und Kronen in roter, schwarz umrandeter Malerei hervor, Architekturelemente sind grau gehalten. Die beschränkte Farbskala und stilistische Verwandtschaften zur westlichen romanischen Freskenmalerei erlauben den Schluss, dass diese Wandmalereien lange vor der gotischen, im 15. Jh. erfolgten Umgestaltung der Basilika ausgeführt wurden.

Als kostbarsten Besitz verwahrt die Heltauer Basilika ein mit von Grünspan bedeckten Kupferplatten beschlagenes Vortragekreuz des 12. Jh., mit dreilappig ausgezackten Enden der Kreuzarme, die mit blauen Steinen besetzt sind, das sogenannte Einwandererkreuz. Von dem alten Flügelaltar, der Szenen aus dem Leben des Episcopus Severus darstellte, ist leider nur noch die heute im Brukenthalmuseum ausgestellte Predella erhalten. Vincentius Cibiniensis hatte ihn 1525 auf Bestellung der Wollweberzunft von Heltau gemalt. Der berühmte, heute im Brukenthalmuseum zu bewundernde Heltauer Kirchenschatz war über 800 Jahre lang in einem Wandschrank verborgen, eingemauert in der die Südapsidiole von ihrem Seitenschiff trennenden Zwischenwand. Dort hielt man ihn versteckt, nachdem die in der Kirchenburg Belagerten beim Tatareneinfall von 1658 ihr Leben nur gegen den gesamten Schmuck der Frauen - die vergoldeten Heftel und Spangengürtel - und das Gemeindevermögen von 1300 Talern erkaufen konnten.

Wir laden Sie ein eine  virtuelle 3D Tour durch unsere Kirchenburg zu machen.