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Kirche

Schätze

Hinter dicken Mauern bewahrt unsere Gemeinde Kostbarkeiten aus acht Jahrhunderten: Altäre, Orgeln, Fresken, Handschriften und sakrale Geräte. Zeugen gelebten Glaubens, die bis heute erhalten sind.

Der Hauptaltar aus Braller

Der vorreformatorische Flügelaltar entstand um 1520 in der Werkstatt des Johannes Stoß, Schule des Veit Stoß d. J., für die Kirche in Braller. Als die dortige Kirchenburg verwaiste und Feuchtigkeit sowie Diebstahlgefahr drohten, wurde das Retabel 1999 nach einer Abschiedsandacht abgebaut und in einem Festgottesdienst durch Bischof D. Dr. Christoph Klein als neuer Hauptaltar in Heltau eingeweiht. Im goldenen Schrein steht die „Braller Madonna", der Familie oder Schule des Veit Stoß zugeschrieben.

Seine originale Gestalt erhielt der Altar bereits 1971 zurück: Das Braller Presbyterium übergab ihn der Restaurierungswerkstatt in Kronstadt, wo Gisela Richter eine plumpe Übermalung von 1728 akribisch entfernte. Auf der Festtagsseite zeigen vier Tafeln Legenden des heiligen Nikolaus von Myra, dem der Altar ursprünglich geweiht war. Die Werktagsseite vereint 16 Heilige zu acht Zweiergesprächen, darunter Fabian und Sebastian, Franziskus und Antonius, Stephanus und Laurentius, die ungarischen Könige Stephan I. und Ladislaus, sowie Johannes der Täufer mit Paulus von Theben. Die Predella zeigt die vierzehn Nothelfer als Fundament christlicher Trost- und Hilfszusage.

Der neugotische Heltauer Altar

Der neugotische Altar wurde vom Hermannstädter Tischler Bartmus gebaut, 1879 aufgestellt und löste den alten, vorreformatorischen Severus-Altar der Walburgakirche ab. Geweiht wurde er am 23. November 1879 durch Bischof Dr. Georg Daniel Teutsch. 120 Jahre diente er als Hauptaltar im Chor, bis er 1999 dem Braller Altar wich und auf die Südempore umzog, wo er bis heute steht.

Statt beweglicher Flügel bildet ein festes, dreiteiliges Architekturgehäuse mit filigranem, neugotischem Gesprenge die Form. Im zentralen Spitzbogenfeld hängt ein Ölgemälde des Budapester Malers Emil Wünsche, „Jesus segnet die Kinder", flankiert von den Statuen der Apostel Petrus und Paulus aus bemaltem Gips.

Der abgelöste Severus-Altar, um 1500 entstanden, kam 1881 als Depot ins Brukenthalmuseum, wo bis heute nur seine Predella von 1525 erhalten ist. Sie zeigt Szenen aus dem Leben des heiligen Severus, Patron der Wollweber, mit einer Malerinschrift des Vincentius.

Der Wassider Altar

Der Wassider Altar kam aus der kleinen sächsischen Gemeinde Wassid (rumänisch Veseud) nach Heltau, wie so viele Altäre aus Dörfern, deren Kirchengemeinden nach der Aussiedlung der Sachsen ihre Kirchenausstattung nicht mehr erhalten konnten. Restauratoren des Brukenthal-Museums entdeckten unter der sichtbaren barocken Malschicht des 18. Jahrhunderts eine ältere, qualitätvolle Malschicht aus dem 16. Jahrhundert.

Als spätgotischer Malaltar verzichtet der Schrein auf plastische Schnitzarbeit. Im Zentrum steht eine Kreuzigung mit Maria und Johannes, auf den Seitenflügeln die vier Evangelisten an ihren Pulten, in der Predella das Letzte Abendmahl, im Auszug die Auferstehung Christi. Die geschlossene Werktagsseite entfaltet das lutherische Programm von Gesetz und Gnade in der Tradition Lucas Cranachs d. Ä.: oben die Dreieinigkeit, unten der Sündenfall und die Rechtfertigung durch das Lamm Gottes.

Der Werder Altar

Auch der Werder Altar hat in Heltau eine neue Heimat gefunden: er stammt aus der kleinen sächsischen Gemeinde Werd (rumänisch Vărd). Die aufgemalten Ziffern „1-7-4-6" auf der Predella datieren seine Entstehung exakt auf das Jahr 1746, ein typischer protestantischer Barockaltar mit zwei mächtigen, blau-weiß marmorierten korinthischen Säulen.

Im Hauptgeschoss zeigt das zentrale Gemälde die Kreuzigung, darüber Gottvater als segnender Schöpfer und, als geschnitzter Bekrönungspunkt, die Taube des Heiligen Geistes in vergoldeter Strahlenglorie. Zwei ovale Medaillons veranschaulichen die lutherische Rechtfertigungslehre: links Mose mit den Gesetzestafeln, rechts Christus als Salvator Mundi. Die Predella trägt das Bibelwort aus 1. Johannes 1,7: „Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde. Anno 1745.“ Eine Inschrift dokumentiert eine spätere Renovierung durch den evangelischen Frauenverein im Jahr 1895.

Die Wegenstein-Orgel

Die große Hauptorgel auf der Westempore wurde 1944 von den Söhnen Wegenstein erbaut, als Ersatz für die prächtige Vorgängerorgel, die in der Nacht zum 24. Dezember 1942 abgebrannt war. Das Instrument wurde zuletzt 2014/15 durch den Orgelbauer Bors László aus Túsnád umfassend repariert und ist in spielbarem Zustand.

Erbauer
Söhne Wegenstein
Baujahr
1944
Manuale
3 + Pedal
Traktur
Elektro-pneumatisch

Die Barockorgel von Johannes Hahn Junior

Diese prächtige Kleinorgel ist ein Werk von Johannes Hahn Junior (1763–1814), dem bedeutendsten Orgelbauer des Barock in Siebenbürgen. Johannes Hahn Junior übernahm nach dem Tod seines Vaters 1783 dessen Hermannstädter Werkstatt. Der reich verzierte Prospekt, gefasst in Weiß und Grün mit vergoldeten Ornamenten, ein herausragendes Zeugnis siebenbürgischer Orgelkunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Erbauer
Johannes Hahn Junior
Stil
Barock / Rokoko
13. Jahrhundert

Die Fresken

Ein Ausmalungsprogramm, das einst fast den gesamten Innenraum der romanischen Basilika bedeckte: Apostelgalerie in der Apsis, Prophetenfiguren und die vier apokalyptischen Reiter im Chor, Szenen aus dem Leben Christi, ein monumentales Jüngstes Gericht im Hauptschiff und, als bedeutendstes Einzelbild, der Heltauer Gnadenstuhl an der südlichen Obergadenwand.

Das ikonographische Programm

Die Hauptapsis trug eine Apostelgalerie, in der Halbkuppel darüber war wohl eine Maiestas Domini dargestellt. In der Fensternische des östlichen Chorfensters erscheinen die heilige Walburga, Patronin der Kirche, und der Ortspfarrer Petrus in Messgewändern, jeweils durch eine Inschrift benannt: „Walburgis Virgo" und „Petrus Plebanus". Am Triumphbogen des Chores sind sechs Propheten gemalt, im Gewölbe des Chorjochs die vier apokalyptischen Reiter der Offenbarung. An den Chorwänden befanden sich einst, in drei Registern, Szenen aus dem Leben Christi: an der Nordwand die Anbetung der Könige, die Darstellung im Tempel, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme, die Grablegung und die Auferstehung; an der Südwand der Einzug in Jerusalem und das Letzte Abendmahl.

Im Hauptschiff nahm ein monumentales Jüngstes Gericht die Nordwand ein, mit Christus als Richter, thronend in einer Mandorla, umgeben von Aposteln und Engeln, darunter die Toten, die aus ihren Gräbern auferstehen. An der südlichen Obergadenwand befindet sich der Gnadenstuhl, begleitet von den allegorischen Figuren Ecclesia und Synagoga sowie einer Szene mit einem berittenen Heiligen. Kleinere Felder an den Pfeilern zeigen weitere Szenen aus Kindheit und Passion Christi, alle gerahmt von ornamentalen Bändern mit Pflanzenmotiven.

Verborgen, wiederentdeckt, restauriert

Jahrhundertelang lagen die Malereien unter Tünche verborgen. Ihre Freilegung zog sich über mehr als hundert Jahre hin:

  • 1905–1909: teilweise Freilegung an der Nord- und Südwand des Chorjochs durch Fritz Balthes, später erneut übertüncht.
  • 1984–1988: Freilegung in der Fensternische des östlichen Chorfensters, bauhistorische Untersuchung durch Vasile Sotelecan.
  • 1995–1999: erneute Freilegung an der Nordwand des Chorjochs.
  • 2006: Konservierung und Restaurierung durch Kiss Lóránd.
  • 2019–2022: vollständige restauratorische Untersuchung des gesamten Kircheninnenraums, Freilegung aller bemalten Flächen und Restaurierung der Gnadenstuhl-Komposition, erneut durch Kiss Lóránd.

Das Ensemble zählt zu den frühesten Zeugnissen siebenbürgischer Wandmalerei und bedeckt die größte Fläche unter den erhaltenen Malereien der ersten Ausmalungsperiode in den romanischen Kirchen des sächsischen Siedlungsgebiets. Lange datierte man die Malereien ins 14. Jahrhundert; Restaurator Kiss Lóránd argumentiert inzwischen für das 13. Jahrhundert, unter Hinweis auf die Verwandtschaft der Gnadenstuhl-Komposition mit einer Miniatur im Elisabeth-Psalter (1201–1208). Die gotischen Majuskel-Inschriften deuten auf eine Datierung nach der Mitte des 13. Jahrhunderts; eine genaue Datierung bedarf weiterer Forschung.

Der Heltauer Gnadenstuhl

Das eindrucksvollste Bild zeigt die Dreieinigkeit als „Gnadenstuhl": Gott Vater sitzt auf seinem Thron und hält vor seiner Brust das Kreuz mit dem Gekreuzigten, über dem Haupt schwebt die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Eine dreifach abgestufte Mandorla umschließt die Szene wie ein Heiligenschein; unten rechts durchbricht eine Figur mit Stab und drei mythischen Wesen den Rahmen, oben links greift die Hand eines Engels durch ihn hindurch. Der obere Teil der Freske, samt einem Teil des Hauptes Gottes, ging verloren, als das Hauptschiff später erhöht und ein neuer Bogen genau an dieser Stelle eingeschnitten wurde – ein wichtiger Hinweis für die Datierung des Bildes.

Die Komposition zählt zu den frühesten dieser Art im Heiligen Römischen Reich, wohl angeregt vom Altar aus Soest, um 1250 entstanden (heute in Berlin). Verwandte Beispiele finden sich im Perpignaner Evangeliar (12. Jh.), in Masaccios Fresko in Santa Maria Novella, Florenz (1427), und in Dürers Allerheiligenaltar für Nürnberg (1511). Eine Besonderheit der Heltauer Fassung: Die Taube schwebt nicht, wie üblich, über dem Haupt Gottes oder Christi, sondern über dem Herzen Jesu – ein einzigartiger Zug, der den Heiligen Geist als Geist der Liebe und Vergebung deutet.

Für eine Gemeinde, die den Mongoleneinfall überlebt hatte, war das Bild zugleich Trost und Belehrung, eine „Armenbibel" für die Schriftunkundigen, gemalt in der für Fresken typischen Technik: Konturen in Kohle vorgezeichnet, dann mit gelbem Ocker, schwarzer Kohle und roter Erde gefüllt, die sich chemisch mit dem frischen Kalkputz verbanden.

Der Heltauer Gnadenstuhl
Die Grablegung und Beweinung Jesu
Das jüngste Gericht
Die vier apokalyptischen Reiter
Romanisches Chorfenster mit der Hl. Walburga und Petrus Plebanus
12. Jahrhundert

Heltauer Bildstein

In der südlichen Vorhalle befindet sich ein sargförmiger Grabstein mit eingemeißeltem Andreaskreuz und stilisierter Gesichtsmaske. Die archaische Gestaltung ähnelt Funden aus dem mittelalterlichen Rheinland, einer der ältesten erhaltenen Grabsteine Siebenbürgens.

Gefunden wurde der Stein in der Zwischenkriegszeit beim Ausheben der Fundamente der Gromenschen Seidenweberei. Der Stein ist verwandt mit einer Grabplatte in Faha und einer weiteren in Irschen (Kärnten), ein Hinweis auf die Urheimat der späteren Heltauer Sachsen, 12.–13. Jahrhundert.

11. Jahrhundert

Das romanische Vortragekreuz
„Einwandererkreuz"

Restauratoren datierten das Vortragekreuz auf die Mitte des 11. Jahrhunderts, damit gilt es als das älteste erhaltene Kunstobjekt der Siebenbürger Sachsen. Das Kreuz wurde 2016 gestohlen und 2021 durch internationale Zusammenarbeit unversehrt sichergestellt. Aus Sicherheitsgründen wird es heute im Landeskirchlichen Museum im Teutsch-Haus in Hermannstadt aufbewahrt.

1911 wurde bei einer Untersuchung der ältesten Kapelle der Kirchenburg eine Krypta mit Gebeinen entdeckt, darunter das stark beschädigte Kreuz, das der Kunsthistoriker Dr. Viktor Roth vor der Entsorgung rettete. Über einen Holzkern war dünnes Kupferblech getrieben: vorn der Gekreuzigte mit Nimbus, auf der Rückseite das Gotteslamm mit Siegesfahne, ursprünglich mit 32 farbigen Glassteinen besetzt. Jahrzehntelang hing es offen über dem Altar, nur durch eine Alarmanlage gesichert. 1990 wurde es mit Unterstützung von Bischof Joachim Heubach und dem deutschen Botschafter Dr. Klaus Terfloth zur Restaurierung nach Deutschland gebracht; die Restauratoren datierten es auf die Mitte des 11. Jahrhunderts.

1792

Der Kirchenschatz

In der Apsis des südlichen Seitenschiffs verbarg sich die sogenannte Schatzkammer, ein halbrunder Raum hinter einer festen Quermauer, erreichbar nur über eine getarnte Tür. Das Geheimnis um den darin vergrabenen Münzschatz wurde über Generationen von Kirchenvater zu Kirchenvater weitergegeben.

Am 5. Mai 1792 hoben Pfarrer, Kirchenväter und Altschaft aus der Erde einen Topf mit 631 Dukaten, genug, um Turmbau und eine neue Orgel zu finanzieren. Seit 1916 befindet sich der Kirchenschatz als Dauerleihgabe im Brukenthal-Museum in Hermannstadt.

14. Jahrhundert

Mittelalterliche Handschriften

Das Heltauer Missale, ein reich illuminiertes Messbuch, das zu den wertvollsten liturgischen Handschriften Siebenbürgens gehört.

Das Heltauer Missale (Codex Heltensis) ist ein gut erhaltener Pergamentband in gotischer Minuskel. Die Vorlage geht letztlich auf Alkuin, den Lehrer und Ratgeber Karls des Großen, zurück.

1797

Der Blitzableiter

Der Kirchturm wurde wiederholt vom Blitz getroffen, zuletzt am 20. Mai 1795 mit erheblichen Schäden. Aus dem Kirchenschatz wurden damals Mittel für den Wiederaufbau bereitgestellt, unter anderem für die Anschaffung eines Blitzableiters.

1797 erhielt Heltau den ersten Blitzableiter östlich von Wien innerhalb Europas, eine bemerkenswert frühe Anwendung dieser noch jungen Technik in der Region. Seither blieb der Turm von weiteren Blitzeinschlägen verschont.

Sehen Sie die Schätze selbst

Viele dieser Kostbarkeiten können Sie bei einer Führung aus der Nähe betrachten. Wir erzählen Ihnen gern die Geschichte dahinter.

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