Heltau wird als „villa Ruetel" erwähnt, eine sächsische Siedlung am Fuße der Südkarpaten, 8 km von Hermannstadt entfernt. Da der Ort als civitas (Stadt) bezeichnet wird, muss er damals bereits bedeutend gewesen sein.
Die Siedler errichten eine dreischiffige romanische Basilika mit einem sechsgeschossigen Westturm, der heiligen Walburga geweiht — einer Äbtissin des 8. Jahrhunderts, die als Schutzpatronin gegen Krankheit und Not verehrt wurde. Analogien zum Patrozinium finden sich im Raum Köln–Aachen–Lüttich, was Hinweise auf die Herkunft der Einwanderer gibt. Das Kirchenschiff erhält ein Kreuzrippengewölbe, die Seitenschiffe sind einfach kreuzgewölbt. Im fünften Stockwerk des Turms sind bis heute Reste von acht romanischen Zwillingsfenstern erhalten.
Osmanische Überfälle bedrohen die Region immer stärker. 1395 erlässt König Sigismund dem verwüsteten Heltau einen Teil der Steuern. Die wiederholten Angriffe erzwingen zwischen 1430 und 1530 einen massiven Ausbau: doppelte Ringmauern bis zu 6 Meter Höhe, Wehrtürme, Basteien und ein Wassergraben zwischen den Mauern.
Am 2. Februar 1493 brandschatzen osmanische Truppen den Ort; infolgedessen werden die Bauarbeiten an der Kirchenburg beschleunigt. Dennoch: Im Jahr 1500, anlässlich eines Besuches von König Wladislaus II., erhält Heltau das Marktrecht, ein Zeugnis der Resilienz der Gemeinde.
Mit Benedictus wird der erste lutherische Pfarrer Heltaus erwähnt; wie fast alle Siebenbürger Sachsen nimmt die Gemeinde das evangelische Bekenntnis an. In dieser unruhigen Zeit wird der Kirchenschatz in einem geheimen Versteck in den Burgmauern verborgen, ein Geheimnis, das sich über Generationen erhalten sollte.
1601 erobert General Basta im Dienste Österreichs die Kirchenburg; 1602 dringen die Truppen Sigismund Báthorys ein, drei Heltauer werden vor der Kirchentür erschlagen. 1602–1603 fordern Hungersnot und Pest zwei Pfarrer und 107 Wollweber. Am 1. Juni 1660 schlägt der Blitz in den Kirchturm ein, in dem die Heltauer ihre Wertsachen verwahrt hatten; im selben Jahr erliegen 411 Bewohner einer Pestepidemie.
Am 15. Mai wird der Ort vom ungarischen Kuruzenführer Graf Lorenz Pökri eingenommen und nur gegen Zahlung von 1500 Goldgulden verschont.
Nachdem der Blitz erneut in den Kirchturm eingeschlagen hatte, erhält Heltau 1797 den ersten Blitzableiter östlich von Wien innerhalb Europas.
Das Innere der Kirche erhält 1879 ein neugotisches Retabel. Der Ort selbst erlebt einen Aufschwung: neue Schule (1822), Straße nach Hermannstadt (1859), Bahnanschluss (1894) und elektrisches Licht (1896).
1919 entsteht mit Gromen & Herbert eines der größten siebenbürgischen Textilunternehmen. Der Zweite Weltkrieg bringt schwere Verluste: 1944 richtet die sowjetische Armee ein Gefangenenlager ein, 1945 werden arbeitsfähige Sachsen in die UdSSR deportiert. 1948 werden die Privatbetriebe verstaatlicht, Heltau wird zur Stadt.
Nach dem Sturz des Ceaușescu-Regimes 1989 wandern binnen zwei Jahren rund 3.000 der 3.512 Heltauer Sachsen nach Deutschland aus. 1997/98 wird der letzte große Textilbetrieb aufgelöst, die Gemeinde erlebt ihren wirtschaftlichen Tiefpunkt – und beginnt sich seither neu aufzubauen.
2004 werden 800 Jahre seit der Ersterwähnung Heltaus gefeiert, Anlass für neuen Schwung beim Erhalt der Kirchenburg.
Seit 2006 verleiht die Gemeinde alle zwei Jahre den Walburgapreis an Persönlichkeiten und Organisationen, die sich um Heltau verdient gemacht haben, darunter Dr. Gerhard Schullerus, Dr. Stefan Cosoroabă, die HOG Heltau, Ilse Harff, Ortrun Binder und Ingrid Buertmes sowie die Schriftstellerin Karin Gündisch und Ortrun Rhein.
Im Kulturhauptstadtjahr werden erstmals junge Burgführer eingebunden, die Besuchern die Geschichte der Kirchenburg und das Gemeindeleben vermitteln, der Ursprung einer Tradition, die bis heute lebendig ist.
Mehr über die Burgführer →Von der Stadtverwaltung geförderte „Kulturjahre" bringen Tag der offenen Tür, Burgfest, Nacht der Burg, Herbstfest, Theater, Ausstellungen und die Konzertreihe „Echos der Burg" nach Heltau. In enger Zusammenarbeit mit der HOG Heltau, unter anderem bei der Restaurierung mittelalterlicher Handschriften und verschiedenen Renovierungsarbeiten, entstehen 2013 und 2017 die „Heltauer Tage".
2014 übernehmen Vertreter der Präsidialämter von Bundespräsident Joachim Gauck und Staatspräsident Traian Băsescu in Heltau die Schirmherrschaft über die Stiftung Kirchenburgen. 2016 besucht Gauck gemeinsam mit Staatspräsident Klaus Johannis, dessen Familie seit dem 16. Jahrhundert in Heltau nachweisbar ist, den Ort. Bei anderer Gelegenheit kommen auch die Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Stanislaw Tillich nach Heltau.
Eine umfassende Restaurierung sichert Mauern, Türme, Dach und Innenraum. 2023 wird die Kirchenburg feierlich eingeweiht. Was Generationen aufgebaut und durchgehalten haben, geben wir gepflegt weiter.
Zur Chronik der Renovierung →Nach den Osmanenangriffen wurde ein geheimes Gemach in die Burgmauern eingebaut. Der Eingang war so gut getarnt, dass nicht einmal die Pfarrer davon wussten. Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und heute zu besichtigen.
Mehr in den Schätzen →Der Blitzableiter von 1797 war der erste östlich von Wien innerhalb Europas.
Mehr in den Schätzen →An der Südempore haben sich mittelalterliche Fresken erhalten, darunter die vier apokalyptischen Reiter der Offenbarung und ein mongolischer Reiter aus dem Jahr 1241, ein einzigartiges Zeugnis der Tatarenstürme, die Siebenbürgen erschütterten.
Mehr in den Schätzen →Der Heltauer Bildstein gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Steindenkmälern der Siebenbürger Sachsen, ein frühes Zeugnis christlicher Bildsprache und handwerklicher Meisterschaft der mittelalterlichen Gemeinde.
Mehr in den Schätzen →Im Kircheninneren befinden sich wertvolle Altäre aus umliegenden Gemeinden, ein stilles Zeugnis gemeinschaftlicher Verantwortung für das kulturelle Erbe.
Mehr in den Schätzen →Als der römische Präfekt den Diakon Laurentius aufforderte, die Schätze der Kirche vorzuzeigen, versammelte dieser die Armen, die Kranken und die Witwen und sagte: „Dies sind die Schätze der Kirche." Die Menschen, die diese Kirchenburg über Jahrhunderte erhalten haben und noch heute erhalten, sind ihr größter Schatz.
Mehr in den Schätzen →Bild hier ablegen, z. B. Luftaufnahme, historische Postkarte oder Detailaufnahme der Wehranlage.
Das geheime Versteck, der Bildstein, das Fresko, bei einer Führung erwachen diese Geschichten zum Leben.
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